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wegweiser Schwangerschaft und Geburt


»Das ist der Liebe Zauberei: Wenn zweie eins sind, werden´s drei« E. Kästner

Geburt bedeutet mehr als das Ende einer Schwangerschaft, ist mehr als ein medizinisches Ereignis.
Geburt bedeutet Abschied und Verwandlung, ist oft eine Herausforderung und verbunden mit dem Überschreiten von Grenzen.

Gebären und geboren zu werden gehört zu den entscheidendsten Erfahrungen in unserem Leben. Die Art wie Eltern und Babys diesen Moment erleben, kann weitreichenden Einfluss darauf nehmen inwieweit wir Vertrauen in die Welt und in uns selbst entwickeln.

Grundsätzlich sind Frauen in der Lage selber zu gebären und müssen nicht »entbunden« werden.

Das bedeutet nicht, dass sie keiner Unterstützung bedürfen. Frauen brauchen zur Geburt einen Rückzugsort, der ihnen Sicherheit und Intimität vermittelt, um ihr eigenes Geburtstempo zu entwickeln. Es ist wichtig, dass eine Mutter in dieser Situation von Menschen begleitet wird, denen sie vertraut. Zu einer guten Geburtshilfe gehört neben der medizinischen Kompetenz, das Vertrauen in die Macht der Natur in der Fähigkeit der Frau, und dadurch der Mut der Begleitenden, so wenig wie möglich in die Geburt einzugreifen.  

Tatsächlich aber ist es so, dass in Deutschland bei rund 90 % aller Geburten medizinische Interventionen vorgenommen werden. Viele, ohne eine medizinisch begründete Notwendigkeit. Viel Wissen um den Verlauf einer »normalen« Geburt geht dadurch verloren, bei den werdenden Eltern genauso wie bei den Hebammen und Ärzten. Dadurch nimmt die Unsicherheit vielerorts zu. Zunehmend entscheiden sich Frauen gegen eine »normale« Geburt und für einen Kaiserschnitt, da ihnen das Risiko kalkulierbarer erscheint. Die Folgen werden selten bedacht.

Es kann wichtig sein, dass die Mutter, wenn die Zeit kommt, sich in aller Stille mit ihrem Kind von der innigsten Verbundenheit im Innen verabschieden kann, mit ihm zusammen und im Kontakt die Anstrengung der Geburt annimmt und schaffen will – und dann das Kind freudig erwarten, wahrnehmen kann als eigenes Lebewesen. Im Gegenüber, als eigenen kleinen Menschen.
So ein Abschiedsritual kann eine gute vorbereitende Einstellung zur Geburt sein.

Jede Geburt ist immer eine Ausnahmesituation, ein Abenteuer, verbunden mit Aufregung, Sorge, Angst, Vorfreude und vielen Fragen.
Viele Frauen gehen aus diesem Ereignis zwar erschöpft, aber gleichzeitig ungeheuer gestärkt heraus, erleben eine kraftvolle Wandlung durch die Erfahrung ihrer Fähigkeit geboren zu haben.

Manche Mütter erleben dieses Abenteuer als sehr schwierigen Prozess. Sei es dass, das Baby zu früh oder krank geboren wurde, sie sich selber an Seele oder Körper durch die Geburt verletzt fühlen, oder es dafür andere Gründe geben mag.

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten die Heilung von entstandenen Verletzungen zu unterstützen. Wichtig ist, dass Frauen und Eltern sich in diesem Fall nach der Geburt mit ihren Babys nicht isolieren, sondern sich Unterstützung nehmen können.  

In jedem Fall ist die Geburt eines Babys immer ein intimer und individueller Prozess, der zwei körperlich miteinander verbundene Wesen körperlich trennt in Mutter und Kind und aus einem Paar eine Familie macht. Danach wird die seelische Bindung zwischen Eltern und Kind weiter wachsen können.

 

Marion Ebeling

 

 

Literatur

Jahn-Zöhrens, Ursula: Entspannt erleben: Babys 1. Jahr. Ihr Baby richtig verstehen und ihm geben, was es braucht. Trias-Verlag 2005.
Jorda, Beate/ Ilona Schwägerl: Geburt in Geborgenheit und Würde. dtv 2002.
Odent, Michel: Geburt und Stillen. Über die Natur elementarer Erfahrungen. München: C.H.Beck 1992 (seitdem mehrere Auflagen).
Stadelmann, Ingeborg: Die Hebammensprechstunde. Einfühlsame und naturkundliche Begleitung zu Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Stillzeit mit Heilkräutern, Homöopathie und Aromatherapie. Wiggensbach: Stadelmann-Verlag 1994 (seitdem mehrere Auflagen)
Dick-Read, Grantly: Mutterwerden ohne Schmerz. Die natürliche Geburt. Hamburg: Hoffmann und Campe 20.Aufl. 1989



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