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wegweiser Bedürfnisse eines Neugeborenen


Wenn das Baby geboren wird, hat es 9 Monate WERDEN und WACHSEN hinter sich im Bauch seiner Mutter.
In dieser Zeit war es warm und weich aufgehoben, geschützt vor lauten Geräuschen, hellem Licht und harten Stößen und wurde sanft gewiegt und getragen.
Es bekam, was es brauchte für seine körperliche Entwicklung, ohne sich selbst darum sorgen und bemühen zu müssen.
Es lebte in seiner Mutter und erlebte mit, was sie erlebte und was sie dabei fühlte und empfand.

Über seinen körperlichen Zustand »in utero« sagen Wachstum und Herzschlag etwas aus.
Über sein Empfinden können wir nur Mutmaßungen anstellen.

Was erlebte und empfand es während seiner Geburt?
Wir können es nicht wissen – auch hier können wir nur über seinen körperlichen Zustand Auskunft erhalten durch Herzton- und Sauerstoffmessung des Blutes.

Erst wenn es auf die Welt gekommen ist kann es uns durch seine Äußerungen zeigen, wie es ihm geht, was es empfindet, was es braucht, was ihm fehlt, was ihm gut tut.

Die Eltern, seine Mutter und sein Vater sind angesprochen, die Äußerungen des Babys zu deuten, seine Sprache zu verstehen und angemessen zu beantworten.

Das ist nicht immer so einfach, wie es sich die Eltern vorgestellt haben und am Anfang irren sie sich auch manchmal in der Be-Deutung, die sie den Äußerungen ihres Babys geben.

Auch sind Babys nicht alle gleich und auf eine ganz bestimmte Art »so und nicht anders« zu Be-Handeln.

Man spricht von sog. sunny babys, slow-to-warm-up-babys und difficult babys und Eltern sind sehr erleichtert, wenn sie um diese Unterschiede erfahren und das sie nicht »schuld« sind, wenn ihr Baby nicht so ist wie andere Babys.

Wenn aber die Eltern die Bedürfnisse kleiner Babys in körperlicher, seelischer und geistiger Hinsicht kennen und wie sie denen gerecht werden können, dann können sie den Rahmen und die Bedingungen schaffen, in denen ihr Kind am Besten wachsen, gedeihen und sich nach seinen Möglichkeiten entwickeln kann.

Diese Bedürfnisse sind die eines jeden Menschen, sei er nun ganz klein, etwas größer oder schon ganz groß und erwachsen, nämlich:

Physiologische, also körperliche Bedürfnisse sind die
nach Luft
nach Wärme
nach Wasser und Schlaf
nach Nahrung und Licht
nach Berührung und Pflege

Ein starkes seelisches Bedürfnis ist das nach Sicherheit und »sich aufgehoben fühlen«.
Dazu braucht es verlässliche Grenzen, die ihm Halt geben
Rhythmus und Regelmäßigkeit, auf die er sich verlassen kann und die den Tagesablauf vorhersagbar machen
Konsequenz und natürliche Autorität, die ihm Stabilität geben.

Geistige oder soziale Bedürfnisse sind »sich zugehörig fühlen«:
Zu den Eltern, zur Familie
die ihm Liebe und Zuneigung schenkt, damit er Selbstvertrauen entwickeln kann und das Gefühl, nützlich zu sein
Die ihm Achtung entgegen bringt und Kompetenz und Fähigkeit zuerkennt, damit er sich wertgeschätzt und anerkannt fühlt und Würde entwickeln kann.

Mit diesem Wissen und dem Wissen, wie es sich umsetzen und anwenden lässt und mit etwas Übung gelingt es den Eltern nach und nach, das Baby zu
Ent-Rätseln und seine Äußerungen richtig zu beantworten:

Es zu füttern, wenn es Hunger hat,
es zu trösten, wenn es sich unwohl fühlt,
es aufzunehmen, wenn es sich alleine fühlt,
es schlafen zu legen, wenn es müde ist,
es zu wickeln, wenn es eine frische Windel braucht,
ihm Halt zu geben durch einen immer wiederkehrenden Tagesablauf, damit es sich orientieren kann und weiß, wie die Welt funktioniert und sich dadurch sicher fühlen kann.

Sie können so den Boden bereiten für ein gutes, friedliches und selbstbewusstes miteinander Leben in der Familie, in der sich jeder Einzelne seinen Anlagen und Bedürfnissen gemäß entwickeln kann.

Regina Roser-Schwanke


Literatur

Hannig, Brigitte: Elternbriefe: 1 Die nonverbale Erziehung – 2 Sorgende Mütter – nervende Kinder – 3 Wut, Geschrei und Tränen – 4 Unruhige Kinder – schlaflose Nächte – 5 Tränenreiche Babyzeit. Warum weinen Babys mehr als Eltern erwarten? www.brigitte-hannig.de
Liedloff, Jean: Auf der Suche nach dem verlorenen Glück. Gegen die Zerstörung unserer Glücksfähigkeit in der frühen Kindheit. München: C.H.Beck 5.Aufl. 2006
Pikler, Emmi: Friedliche Babys – zufriedene Mütter. Pädagogische Ratschläge einer Kinderärztin. Freiburg: Herder 2009
Pikler, Emmi/ Anna Tardos: Miteinander vertraut werden. Wie wir mit Babies und kleinen Kindern gut umgehen – ein Ratgeber für junge Eltern. Freiburg: Herder 9.Aufl. 2009
Stadelmann, Ingeborg: Die Hebammensprechstunde. Einfühlsame und naturkundliche Begleitung zu Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Stillzeit mit Heilkräutern, Homöopathie und Aromatherapie. Wiggensbach: Stadelmann-Verlag 1994 (seitdem mehrere Auflagen)

Kutik, Christiane: Erziehen mit Gelassenheit, Verlag Freies Geistesleben

 



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